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Michael Jahr, Goldschmiedeatelier… Ach so, Du musst die Tür aufmachen…

So jetzt.

Michael Jahr, Goldschmiedeatelier. Werdegang?

Das sind aber kurze Fragen: Werdegang! Geboren und aufgewachsen in Rüsselsheim. Alt-Hasslocher! Humboldt-Schule. Lehre beim Uhren-Weiß, 3 Jahre Berufspraxis dort. Fachschule Idar-Oberstein. Dort habe ich meinen staatliche geprüften Gestalter gemacht und bin dann 1991 Meister geworden. In Idar Oberstein habe ich sogar noch das Schleifen von Edelsteinen gelernt. Ich wohne immer noch in Rüsselsheim. Wir sind quasi von Haßloch in die Haßlocher Straße gezogen, Hausnummer 136, und betreiben jetzt hier seit 16 Jahren das Atelier.

Lieblingslehrer Humboldtschule?

Herr Fuchs!

Wolltest Du schon immer Glodschmied werden?

Nee, ich wollte eigentlich technischer Zeichner werden. Irgendwie wollten das aber alle – es sei denn man wollte Werkzeugmacher werden. Und das hat nicht geklappt und da bin ich ganz klassisch zum Arbeitsamt und habe einen Eignungstest gemacht und da kam dann raus: Sie sind für Goldschmied geeignet. Wie das funktioniert hat ist mir bis heute schleierhaft. Ich wusste damals gar nicht, was das ist. Mein Vater hat dann die Lehrstelle aufgetan und das hat dann auch geklappt.

Bist Du da schon irgendwie familär vorgeprägt?

Ja, mein Vater ist Feinmechaniker und meine Mutter Schneiderin, irgendwie habe ich da schon die handwerkliche Richtung und die Neigung zu Formen, Farbe, Mode mit in die Wiege bekommen.

Hast Du die Entscheidung jemals bereut?

Nein. Obwohl, also jeder Beruf hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Aber bereut? Nein.

Und selbstständig sein stand auch außer Frage?

Ja, das wollt ich schon in der Lehre. Und nach meiner Gestaltungsschule habe ich noch ein paar Arbeitsplätze ausprobiert und dann gemerkt – das ist nix.

Merkst Du hier was von der »Wirtschafts-Krise«?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe ein recht solventes Klientel und da muss ich sagen, kann ich mich nicht beschweren. Und in letzter Zeit kommen recht viel junge Kunden nach, und das freut mich ganz besonders.

Was würdest Du denn sagen, was ist die Stärke von Dir?

Dass ich sehr vielseitig bin. Also von Reparaturen über den reinen Verkauf machen wir auch viel Service. Und als Hauptgeschäft natürlich die Gestaltung- und Entwurfsarbeit als Goldschmied.

Was ist da Dein Stil?

Große Arbeiten mit Farbsteinen. Ganz klassische Schmuckarbeit. Natürlich auch alle anderen Materialien. Gold, Silber, Platin, Edelsteine, Diamanten, Brillianten. Wir machen Umarbeitungen, Steinbesatz, Perlenknüpfen, bei Uhren mache ich den Batteriewechsel gleich hier und für andere Uhrenarbeiten arbeite ich mit einem Uhrenmacher zusammen. Wobei wir bei Entwurfsarbeit entweder die Kundenwünsche umsetzen oder eben mit dem Kunden gemeinsam kreative Ideen entwicklen. Vielfach haben wir auch Kunden, die uns vertrauen und sich auf unser Können verlassen.

Hast Du eigentlich einen großen Safe, für das ganze Gold?

Wir haben natürlich schon einen Safe aber eher für die Schmuckstücke der Kunden, die hier zur Reparatur bleiben, als für unsere »Goldvorräte«. Die bestellen wir natürlich nach Bedarf.

Du bist mit Deinem Geschäft nicht in der Innenstadt, warum?

Ich wollte ursprünglich in die City. Ich bin froh, dass ich das nicht gemacht habe. Die City als zentrales Einkaufs­erlebnis hat schon allein wegen der Parkplatz­situation zu kämpfen. Wenn das Verweilangebot und dadurch die Verweildauer nicht gegeben ist, suchen die Leute nur noch ein spezielles Angebot, und da wollen die schnell hin, einfach parken und keine langen Wege zurücklegen. Da ist ein Standort mit Parkplätzen direkt vor der Tür die bessere Alternative. Dazu haben wir auch geschäftsbedingt weniger Laufkundschaft. Die Leute kommen, weil sie was machen lassen wollen, weil Sie gezielt was besprechen wollen. Ich würde in der Innenstadt Laufkundschaft dazugewinnen aber einge meiner exklusiven Kunden verlieren. Dazu hat die Innenstadt zu viel Attraktivität eingebüßt.

Bleibst Du in Rüsselsheim?

Ich habe es eigentlich vor. Ich habe mir hier etwas aufgebaut, das man nicht einfach aufgibt.

Was würdest Du Dir für Rüsselsheim wünschen?

Ein attraktivere Innenstadt, aber das ist in der Umgebung von Großstädten und immer mehr Einkaufszentren problematisch.

Als Schmuckatelier bist Du ja auch von modischen Trends beeinflusst. Tipp fürs Frühjahr?

Lange Ketten. Mehr Perlen. Das passt zur kommenden Mode. Viel Silber kommt wieder.

Wie schaffst Du es denn den persönlichen Geschmack und den der Kunden überein zu bringen?

Gar nicht.  Ich bringe da nichts überein, die Geschmäcker sind verschieden. Man kann aber den Kunden sagen, ob etwas passt, stilsicher ist. Ob es zu der Persönlichkeit passt, stimmig ist. Die Profesionalität muss man schon haben und sich nicht vom persönlichen Geschmack leiten lassen. Als Schmuckgestalter hat man Kenntnisse über Grundlagen und Farb- und Formensprache. Das sollte man dann einbringen und den Kunden damit unterstützen. Mein eigenen Stil und Geschmack verwirkliche ich in den Arbeiten, die ich hier als eigene Kollektion ausstelle.

Jo, da sag ich Danke für’s Interview

Und ich sag, Bitte, gern geschehen.

Michael Jahr
Goldschmiedeatelier
Haßlocher Straße 136
65428 Rüsselsheim
Telefon 06142 - 50858
Telefax 06142 - 563270
Kontakt:
info@michaeljahr.com

ÖFFNUNGSZEITEN
Mo. - Fr.: 9:00 - 13:00 Uhr / 14:00 - 18:00 Uhr
Mi.-Nachmittag geschlossen
Sa.: 9:30 - 13:00 Uhr
und nach Vereinbarung

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