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Hotel Europa

Birgit Kolb

Das Ehepaar Niko und Sula Tsabazis betreiben seit 14 Jahren das Hotel Europa am Marktplatz. Jetzt kommt ein großes Kaffee- und Kuchenangebot dazu:

Seid Ihr beide hier in Rüsselsheim geboren?

N.: Wir sind beide hier geboren, also in Hattersheim bzw. in Flörsheim aufgewachsen.
S.: Wir sind beide klassische Gastarbeiterkinder der 1. Generation. Also unsere Eltern kamen hierher um nach maximal 5 Jahren wieder zurück zu gehen – daraus wurden dann 35 Jahre…

Aber Eure Eltern leben jetzt wieder in Griechenland?

N.: Ja, beide.

Das heißt auch, dass Ihr hier keinerlei Verwandte mehr habt.

S.: Ja, das ist schon ein Problem, das man oft vergisst. Gerade wenn Du kleine Kinder hast und Oma und Opa sind aber 2000 Kilometer weit weg, hast Du natürlich niemanden, wo Du mal schnell die Kinder hinbringen kannst. Und auch ansonsten hast Du eben keine familiären Wurzeln oder Bindungen an dem Ort an dem Du lebst. Das ist schon ungewöhnlich. Aber für uns beide ist Deutschland schon unsere Heimat, und Griechenland eben der Urlaubsort…
N.: …wo man dann viele Verwandte trifft. Je nachdem wie man sich mit seiner Verwandschaft versteht, wäre das ja für manchen vielleicht sogar die angenehmere Variante.

Wie macht Ihr das mit Euren Kindern? Können die Griechisch?

S.: Ja, das schon, die waren auch auf der griechischen Schule. Das war uns schon wichtig, dass sie die Sprache sprechen, lesen und schreiben können, wobei das Deutsche natürlich vorging. Und unsere Tochter tanzt auch im Verein Xeniteas, da pflegen wir traditionelle griechische Volkstänze.

Und soll jetzt die EU Griechenland helfen bei den Finanzen?

S + N.: Bloß nicht! Die sollen das selber hinbekommen!

Zu wem haltet Ihr bei der Fußballweltmeisterschaft?

N.: Das ist eine Fangfrage! Aber mit Otto Rehakles gewinnt ja immer ein Deutscher, insofern können wir ruhig sagen wir sind da für Deutschland.
S.: Naja, es ist den Griechen schon zu gönnen, die sind ja noch nie so weit gekommen wie das letzte Mal.

Wo habt Ihr Euch kennengelernt?

S.: Auch hier in Deutschland. Das war in Hattersheim, ich saß bei einem Italiener und da hat er mich…
N.: …angebaggert.
S.: Also Niko, kenengelernt sagen wir mal besser.

Und woher kam der Entschluss ein Hotel mit Restaurant zu eröffnen?

S.: Ja ich komme aus einer klassischen Gastronomiefamilie und Nico hat auch schon immer gerne in der Gastronomie gearbeitet und wir wollten uns was Eigenes aufbauen und da bot sich das hier an. Das stand leer und da haben wir gedacht, das machen wir.

Was war das vorher?

S.: Das kennst Du nicht? Du als Rüsselsheimer. Das war früher das Peters Eck. Ganz bekannt. Bei uns treffen sich ja immer auch die Jahrgänge.

Ach bei Euch auch? Ich glaube wenn’s die Jahrgänge nicht gäbe, wäre die Rüsselsheimer Gastronomie verloren!

S.: Ja, das stimmt. Na jedenfalls treffen sich bei uns die Jahrgänge und da sagen einige heute noch wir gehen ins Peters Eck.

Merkt Ihr eigentlich was von der Finanzkrise als Hotel?

N.: Als Hotel schon. Das merkt man sofort, weil viele unserer Gäste direkt von Opel kommen. Und da war 2009 bestimmt nicht unser bestes Jahr.

Wie groß ist das Hotel?

N.: Das Hotel hat 18 Zimmer, davon 6 Doppelzimmer und im Restaurant haben wir 50 Sitzplätze, dann nochmal einen separaten Saal mit 50 Plätzen. Den kann man natürlich für alle Gesellschaften buchen. Und wir haben einen separaten Raucherraum, der gerne genutzt wird. Und im Sommer natürlich draußen auf dem Marktplatz auch nochmal 30 Plätze.

Der Marktplatz in Rüsselsheim ist ja sehr äh unlebendig…

S.: Ja leider, neben uns soll ja ein Café entstehen und das ist nur positiv!
N.: Das kann nur eine Bereicherung sein, je mehr Cafés und Gastronomie am Marktplatz entstehen umso mehr wird das ein wirklicher »Marktplatz«, wie man das aus anderen Städten kennt.
S.: Am besten noch ein Spanier und ein Italiener dazu. Das wäre toll – für ganz Rüsselsheim! Wir bieten ja jetzt seit einiger Zeit auch schon Kaffee und Kuchen an und das wird sehr gut angenommen. Das kam auch als Wunsch unserer Gäste – gerade auch von den Jahrgängen! Wir haben leckeren Kuchen, so ab 14 Uhr und deswegen auch durchgehend geöffnet, das ist sehr gefragt. Unsere älteste Tochter kümmert sich da etwas darum – sie wird jetzt auch in der Gastronomie lernen…

Bei Euch?

S.: Nein, nein, das wollten wir nicht. Die Kinder sollen was anderes kennenlernen – die sollen die Welt sehen. Und wenn sie dann zurückkommen wollen, bringen sie das dort Erlernte mit.

Und die andere Tochter, will die auch in die Gastronomie?

S.: Christina, die kannst Du gerne selbst fragen.

Chrsitina, willst Du später auch mal in der Gastronomie arbeiten?

C.: Vielleicht.
S.: Sie ist etwas schüchtern.

Was sind denn die griechischen Spezialitäten bei Euch?

N.: Also wir sind eigentlich kein griechisches Restaurant in dem Sinne. Wir bieten eine ganz internationale Küche an. Deshalb wollten wir auch einen Namen, der das ausdrückt und haben uns bewusst »Hotel Europa« genannt. Obwohl das natürlich wieder eine griechische Göttin war…
S.: Wir haben zum Beispiel morgens Frühstück, aber natürlich für unsere Hotelgäste sehr früh. Und wir haben einen Mittagstisch mit Stammessen. Alles mit Vorspeise und das beginnt bei 6,90 Euro und kostet höchstens 9,50.

Aber grieschiche Spezialitäten gibt es auch?

N.: Ja klar. Unsere Herkunft wollen wir ja nicht verleugnen und so sind schon viele Spezialitäten aus Griechenland in die Speisekarte mit eingeflossen.

Zum Beispiel der leckere griechische Mokka!

N.: Genau! Willst Du noch einen?

Was macht denn die griechische Küche aus?

S.: Viele leichte mediterrane Vorspeisen. Und die Hauptspeisen sind eigentlich sehr trocken und wenig mit schweren Soßen wie in Deutschland. Und natürlich wird viel gegrillt.

Ich dachte das wäre ein Klischee aus »My big fat greek wedding«?

S.: Ah nein, das stimmt schon. Die Stelle wo es heißt er wäre Vegetarier und die Griechin sagt darauf »Na gut dann mach ich Lamm«, die beschreibt das schon ganz gut.
N.: Und wenn die Griechen grillen, dann grillen die richtig. Also da gibt es kein Medium oder noch irgendwie blutig, das würde kein Grieche essen! Und natürlich haben wir auch Fisch in der Karte. Unsere gegrillten Sardellen kann ich nur sehr empfehlen. Und unsere Kalamares.

Das stimmt, die habe ich auch schon gegessen.

S.: Und auf Wunsch machen wir auch einen speziellen griechischen Kuchen, Galaktoburiko, das ist ein Blätterteig mit Grießpudding gefüllt mit Zuckerguss, warm serviert mit Vanilleeis. Den mus man aber bestellen, weil der für deutsche Gaumen eigentlich zu süß ist. Und natürlich unseren Frappé. Schön aufgeschlagener Kaffee mit Eiswürfel. Sehr erfrischend und eine Art griechischer Red Bull.
N.: Und nicht zu vergessen unsere Weinkarte, auf der wir fast ausschließlich griechischen Wein führen. Alles international ausgezeichnete Prädikatweine von 12 bis 45 Euro die Flasche. Griechenland als Weinland ist ja leider völlig verkannt.

Und am Weihnachtsmarkt machst Du wieder Kakao für die Kinder, die die Weihnachtsbäume schmücken?

N.: Klar, ich heiße ja nicht umsonst Nikolaos!

Hotel Europa

Inhaber: Nikolaos Tsabazis
Marktplatz 1
65428 Rüsselsheim
Telefon: (06142) 8 70 1-0
Fax: (06142) 8 70 1-40

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